Entlädt eingeschaltetes WLAN den Akku?
Eingeschaltetes WLAN verbraucht unter Android normalerweise nur wenig Akku. Problematischer sind Netzwerksuchen, schwacher Empfang, fehlerhafte Apps und schlechte Mobilfunkabdeckung.
Die meisten machen sich wegen des falschen WLAN-Problems Sorgen. Ein Smartphone, das stabil mit einem starken WLAN verbunden ist, verhält sich anders als ein Gerät, das den ganzen Tag ohne Verbindung unterwegs ist und nach Netzwerken sucht.
Dieser Unterschied zählt. Eine stabile WLAN-Verbindung verbraucht meist wenig Energie. Ständiges Suchen kann den Akku dagegen spürbar belasten.
Eine aktive WLAN-Verbindung ist meist nicht das Problem
Wenn dein Smartphone mit einem stabilen Router verbunden ist und nur wenig Daten überträgt, verbringt der WLAN-Chip viel Zeit in stromsparenden Zuständen. Er wird aktiv, wenn Daten verarbeitet werden müssen, und wechselt danach wieder in den Ruhezustand. Verglichen mit dem Display, Spielen, der Kamera, GPS-Navigation oder einem schwachen Mobilfunksignal ist untätiges WLAN normalerweise nur ein kleiner Posten.
Deshalb spart das Ausschalten von WLAN zu Hause oft weniger Akku als erwartet. Im ungünstigsten Fall wechseln deine Apps auf mobile Daten, die bei schlechtem Mobilfunkempfang mehr Energie verbrauchen können.
Die einfachere Regel lautet: Wenn du ein starkes WLAN hast, nutze es.
Die Netzwerksuche ist etwas anderes
Interessanter wird WLAN, wenn das Smartphone nicht verbunden ist. Android kann nach Netzwerken in der Nähe suchen, damit es weiß, welche verfügbar sind. Standortfunktionen können WLAN-Zugangspunkte in der Umgebung außerdem zur genaueren Positionsbestimmung nutzen, auch wenn du keinem Netzwerk beitrittst.
Unter Android 12 und höher findest du die relevante Einstellung bei Standard-Android normalerweise unter Einstellungen > Standort > Standortdienste > WLAN-Suche. Hersteller können die Menüs anders anordnen. Wenn du diese Funktion ausschaltest, funktioniert normales WLAN weiterhin. Deaktiviert werden nur WLAN-Suchen, die der Standortgenauigkeit dienen.
Android begrenzt auch die von Apps ausgelöste WLAN-Suche. Eine beliebige Hintergrund-App kann also nicht mehr so aggressiv scannen wie auf älteren Android-Geräten. Trotzdem entscheiden Systemdienste, Standorteinstellungen und netzwerkintensive Apps darüber, ob WLAN hauptsächlich ruht oder regelmäßig aktiv wird.
Daher stammt der alte Ratschlag. Vor Jahren konnte eingeschaltetes WLAN beim Gang durch eine Stadt mehr Akku kosten. Modernes Android geht sparsamer damit um, doch die Physik bleibt dieselbe: Aktive Funksuchen verbrauchen mehr Energie als der Ruhezustand.
WLAN im Vergleich zu mobilen Daten
Bei demselben Download ist WLAN normalerweise sparsamer. Die Entfernung ist kürzer, die nötige Sendeleistung geringer und die Übertragung schnell abgeschlossen. Danach kann das Smartphone wieder in den Ruhezustand wechseln.
Mobilfunk ist komplizierter. LTE- und 5G-Modems halten komplexere Netzwerkzustände aufrecht und können nach einer Übertragung kurzzeitig in einem höheren Leistungszustand bleiben, falls weitere Daten folgen. Schwacher Empfang verschärft das Problem. Muss dein Smartphone eine weit entfernte Funkzelle erreichen, arbeitet das Modem stärker.
Es gibt eine offensichtliche Ausnahme: schlechtes WLAN. Wenn dein Smartphone an einem schwachen Router zwei Stockwerke entfernt festhält, ständig die Verbindung verliert oder zwischen WLAN und mobilen Daten wechselt, kann ein starkes Mobilfunksignal die bessere Wahl sein.
Kein Schalter ist immer richtig.
Was den Akku tatsächlich entlädt
Das Display ist meist der größte Verbraucher. Danach solltest du auf Apps, Signalstärke, Standortnutzung, Kamera, Spiele, Videoanrufe, Hotspot und Synchronisierung im Hintergrund achten.
WLAN verdient selten den ersten Verdacht, solange nichts Konkretes passiert. Vielleicht läuft gerade eine Cloud-Sicherung. Ein Messenger kann bei der Synchronisierung hängen. Ein Geschwindigkeitstest kann sich wiederholen. Eine standortintensive App kann das Smartphone zu häufig aufwecken. In all diesen Fällen ist WLAN nur die Leitung. Die App verursacht den Energieverbrauch.
Die Übersicht zur Akkunutzung ist der bessere Ausgangspunkt. Steht eine App weit oben in der Liste, begrenze ihre Hintergrundnutzung oder deinstalliere sie. Das Ausschalten von WLAN repariert keine fehlerhafte App. Es ändert nur, welche Funkverbindung die App verwendet.
Wann es sinnvoll ist, WLAN auszuschalten
Schalte WLAN aus, wenn du lange Zeit nicht in der Nähe eines bekannten Netzwerks bist, etwa beim Wandern, auf einer Fahrt durch ländliche Gebiete oder an einem Arbeitsplatz ohne nutzbares WLAN. Es kann auch helfen, wenn du mit einem defekten Netzwerk verbunden bist, das ständig abbricht.
Du kannst außerdem die WLAN-Suche für Standortdienste deaktivieren, wenn du sie nicht brauchst. Das ist gezielter, als WLAN vollständig auszuschalten, weil normale Netzwerkverbindungen weiterhin funktionieren.
Nachts ist der Unterschied gewöhnlich klein. Wenn du keine Benachrichtigungen brauchst, sind „Nicht stören“, der Schlafenszeitmodus oder der Energiesparmodus oft sinnvoller. Der Doze-Modus von Android begrenzt Netzwerk- und CPU-Aktivitäten im Hintergrund bereits, wenn das Smartphone nicht geladen wird, der Bildschirm aus ist und das Gerät eine Weile unbenutzt bleibt.
Kleine Sonderfälle
Gespeicherte WLAN-Netzwerke verbrauchen nicht von selbst Akku. Eine lange Liste gespeicherter Netzwerke bedeutet nicht, dass das Smartphone jedes einzelne davon permanent in einer aufwendigen Schleife prüft.
WLAN-Telefonie kann bei schwachem Mobilfunksignal sparsamer sein als ein Gespräch über das Mobilfunknetz. Sind sowohl WLAN als auch Mobilfunk stark, ist der Unterschied normalerweise keine weitere Überlegung wert.
Für die meisten Menschen ist es völlig in Ordnung, WLAN eingeschaltet zu lassen. Vermeiden solltest du schwachen Empfang, ständige Netzwerksuchen und Apps, die das Smartphone immer wieder aufwecken.
Quellen
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