Stimmt es, dass Smartphones absichtlich langsamer werden?
Smartphones können durch Akkuverschleiß, anspruchsvollere Software, knappen Speicher, Wärme und schlechte Updates langsamer werden. Absichtliche Drosselung hat es gegeben, erklärt aber nicht alles.
Dein Smartphone kann mit der Zeit durchaus langsamer werden. Das Unbequeme daran ist, dass mehrere Dinge gleichzeitig wahr sein können: Hersteller haben Entscheidungen getroffen, die älteren Geräten geschadet haben, und trotzdem entstehen die meisten Leistungseinbrüche durch eher langweilige technische Ursachen.
Ja, geplante Obsoleszenz ist teilweise real. Nein, nicht jedes ruckelnde Smartphone beweist einen geheimen Abschaltschalter.
Der Fall, der alle misstrauisch gemacht hat
Dass noch immer über absichtliche Verlangsamung gesprochen wird, liegt vor allem an Apples Batterygate-Affäre von 2017. Apple führte bei älteren iPhones mit chemisch gealterten Akkus ein Leistungsmanagement ein. Betroffen waren unter anderem die Baureihen iPhone 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus, SE, 7 und 7 Plus. Die technische Begründung war nachvollziehbar: Ein alter Lithium-Ionen-Akku kann bei Last nicht mehr genügend Spitzenstrom liefern, wodurch sich das Gerät unerwartet ausschalten kann.
Das eigentliche Problem war die mangelnde Transparenz. Menschen bemerkten langsamere iPhones, erfuhren aber nicht klar genug, dass ein Akkutausch einen großen Teil der verlorenen Leistung wiederherstellen konnte. Viele hielten das ganze Smartphone für verbraucht.
Ein dokumentierter Fall existiert. 2018 kündigte Italiens Wettbewerbsbehörde Geldbußen gegen Apple und Samsung an, nachdem bestimmte Updates schwere Fehlfunktionen und Leistungseinbußen verursacht hatten, ohne ausreichend über Auswirkungen oder die Wiederherstellung ursprünglicher Funktion zu informieren. Das belegt diese genannten Untersuchungen und Geräte, nicht, dass jede spätere Verlangsamung oder Aktualisierung beabsichtigt ist.
Das sollten sie auch nicht.
Was ein Android-Smartphone normalerweise langsamer macht
Die meisten Leistungseinbrüche unter Android sind weniger dramatisch als Batterygate. Software wird anspruchsvoller. Apps setzen mehr RAM, schnelleren Speicher, stärkere GPUs und neuere System-APIs voraus. Ein Smartphone, das vor einigen Jahren mit 4 GB RAM problemlos lief, kann Schwierigkeiten bekommen, während die Apps um es herum immer größer werden.
Der Speicher spielt eine enorme Rolle. Ist der interne Speicher fast voll, bleibt weniger Platz für temporäre Dateien, App-Updates, Datenbankzugriffe, Vorschaubilder, Downloads und Cache. Smartphones mit langsamem eMMC-Speicher leiden früher als Geräte mit schnellerem UFS-Speicher. Ein günstiges Smartphone mit 92 % belegtem Speicher kann sich schlechter anfühlen als ein älteres Flaggschiff mit viel freiem Platz.
Auch Akkuverschleiß kann die Leistung beeinflussen. Mit zunehmendem Alter sinkt die Kapazität von Lithium-Ionen-Zellen und ihr Innenwiderstand steigt. Unter Last kann die Spannung einbrechen. Das Energiemanagement des Smartphones kann die Leistung reduzieren, damit das Gerät stabil bleibt, besonders bei niedrigem Akkustand, Kälte, Wärme oder starkem Verschleiß.
Wärme kommt noch hinzu. Smartphones sind dünn, geschlossen und werden passiv gekühlt. Wenn der Akku warm ist, der SoC stark arbeitet und auch die Umgebung heiß ist, setzt die thermische Drosselung ein. Das ist keine Sabotage. Das Smartphone schützt sich selbst.
Updates können trotzdem der Auslöser sein
Ein großes Android-Update kann ein altes Smartphone langsamer wirken lassen, auch wenn niemand dich zum Kauf eines neuen Geräts drängen will. Neue Systemfunktionen brauchen RAM und CPU-Zeit. Apps werden neu kompiliert. Datenbanken werden neu aufgebaut. Die Akkuoptimierung muss deine Gewohnheiten erneut lernen. Ein oder zwei Tage lang kann das Smartphone deshalb wärmer werden oder mehr Akku verbrauchen.
Android 17 ist das aktuelle Beispiel. Google veröffentlichte Android 17 am 16. Juni 2026 und stellte es zunächst für die meisten unterstützten Pixel-Geräte bereit. Weitere neue Geräte mit Android 17 sollen in den folgenden Monaten erscheinen. Diese erste Pixel-Welle ist für Entwickler und Technikbegeisterte nützlich, bedeutet aber auch, dass Pixel-Besitzer frühe Kompatibilitätsprobleme zuerst im Alltag bemerken.
Wenn ein Smartphone dein Arbeitsgerät ist, würde ich nicht jedes große Update am ersten Tag installieren. Sicherheitsupdates solltest du einspielen. Bei vollständigen Betriebssystem-Upgrades auf älteren Geräten mit wenig RAM, fast vollem Speicher oder einem müden Akku ist mehr Vorsicht sinnvoll.
Wo Hersteller Verantwortung tragen
Selbst wenn eine Verlangsamung nicht beabsichtigt ist, sind Gerätehersteller keine unbeteiligten Zuschauer.
Fest verklebte Akkus machen Alterung schmerzhafter. Früher war ein Akkutausch oft ein einfacher Teilewechsel. Heute braucht er häufig Klebstofflöser, Wärme, Werkzeug, Rücksicht auf die Wasserbeständigkeit und einen Termin beim Reparaturdienst. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand das ganze Smartphone ersetzt, statt nur den Akku.
Auch die Updatepolitik zählt. Pixel 8 und neuere Google-Smartphones erhalten 7 Jahre Betriebssystem- und Sicherheitsupdates. Samsung bietet bei vielen neueren Galaxy-Modellen ebenfalls lange Supportzeiträume. Bei günstigen Android-Smartphones unterscheiden sich die Zusagen jedoch weiterhin stark. Manche bekommen jahrelang Updates, andere nicht. Wenn der Support endet, kann die Hardware noch funktionieren, während das Gerät langsam unsicherer und weniger kompatibel wird.
Reparatursperren und Teilekopplung sind ein weiteres Problem. Wenn der Austausch von Akku, Display oder Kamera Warnungen auslöst oder Funktionen verloren gehen, sofern das Teil nicht über einen freigegebenen Weg eingebaut wurde, ist das eine Designentscheidung. Sie erschwert Reparaturen.
Die EU steuert inzwischen dagegen. Smartphones, die seit dem 20. Juni 2025 neu auf den EU-Markt kommen, müssen Ökodesign-Vorgaben zu Akkubeständigkeit, Ersatzteilen, Reparaturzugang und Softwareupdates erfüllen. Die wichtigsten Zahlen sind klar: mindestens 800 Lade- und Entladezyklen bei weiterhin mindestens 80 % Kapazität, wichtige Ersatzteile bis mindestens 7 Jahre nach dem Verkaufsende eines Modells auf dem EU-Markt und vom Hersteller bereitgestellte Betriebssystemupdates bis mindestens 5 Jahre nach diesem Zeitpunkt für alle Geräte des Modells.
Das macht nicht jedes Smartphone über Nacht leicht reparierbar. Es verschiebt aber den Mindeststandard.
So bleibt ein älteres Smartphone nutzbar
Beginne beim Speicher. Halte nach Möglichkeit mindestens 20 % frei. Entferne ungenutzte Apps, verschiebe Fotos und Videos vom Gerät, lösche riesige Medienordner aus Chats und räume alte Downloads auf. Gelegentlich den Cache zu leeren, ist kein Wartungsplan. Manchmal hilft es, mehr aber auch nicht.
Öffne Einstellungen > Akku > Akkunutzung und suche nach einer App, die weit über den anderen liegt. Begrenze ihre Hintergrundnutzung oder deinstalliere sie. Googles eigener Leitfaden für Pixel-Smartphones verweist ebenfalls zuerst auf die Akkunutzung, App-Beschränkungen und Updates. Das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen kommt erst nach einfacheren Schritten.
Wenn das Smartphone mindestens drei Jahre alt ist und der Akkuzustand schlecht ausfällt, prüfe die Kosten eines Akkutauschs, bevor du ein neues Gerät kaufst. Beim Pixel 8a und neueren Modellen empfiehlt Google einen Austausch, wenn der Akkuzustand als „Reduziert“ angezeigt wird. Bei Samsung-Smartphones kann die Diagnose in Samsung Members zumindest anzeigen, ob der Akkustatus normal oder schwach ist.
Das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen kann helfen, wenn Softwaremüll oder ein fehlerhafter Updatezustand das Problem verursacht. Verschlissene Hardware wird dadurch nicht wieder jung.
Die praktische Antwort
Android selbst hat keine allgemeine, öffentlich dokumentierte Regel, nach der alle alten Smartphones bei alternden Akkus langsamer werden müssen. Hersteller setzen ihr eigenes Energie- und Wärmemanagement ein und erklären dessen Verhalten nicht immer besonders gut.
Günstige Smartphones sind nicht zwangsläufig darauf ausgelegt, schneller auszufallen. Sie haben aber weniger Reserven. Weniger RAM, langsamerer Speicher, schwächere Chips und kürzere Supportzeiträume führen dazu, dass sie früher an Grenzen stoßen.
Ein gutes Smartphone sollte bei sorgfältiger Nutzung 4 oder 5 Jahre halten. Ein neueres Flaggschiff oder ein gut unterstütztes Mittelklassemodell kann länger nutzbar bleiben, wenn sich der Akku ersetzen lässt und weiterhin Updates erscheinen.
Quellen
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